WORT ZUR MISSION

Missionarische Gedanken zur Sonntagsliturgie

CIAM bietet Laien, Ordensleuten und Priestern wöchentlich einige Gedanken zur Sonntags-liturgie mit missionarischem Inhalt. Sie sind als Anregung gedacht für die missionarische, persönliche und gemeinschaftliche Betrachtung des Wortes Gottes, das den missionarischen Auftrag der Kirche in der Welt erleuchtet und bestärkt.

 

Die Betrachtung des Guten Hirten öffnet dich der Mission



IV. Sonntag der Osterzeit

Lesejahr B – 07.5.2006

 


Apg 4,8-12

Antwortpsalm 118

1 Joh 3,1-2  

Joh 10,11-18

 

Überlegungen

Der IV. Sonntag der Osterzeit wird auch „Sonntag des Guten Hirten“ genannt. Der Gute Hirt ist die erste bildliche Darstellung von Jesus Christus, in den Katakomben, lange vor dem Bild des Gekreuzigten. Vom Hirten war bereits im Alten Testament oft die Rede (Exodus, Ezechiel, Psalmen ...). Christus hat sich mit dem Guten Hirten identifiziert und Johannes hat ihn messianisch gedeutet. Das Leben und die Beziehungen zwischen dem Hirten und den Schafen wird mit vielen Bildern beschrieben: hineingehen – hinausgehen, rufen – hören, führen, gehen – folgen, kennen, sein Leben geben.... Jesus identifiziert sich voll mit „dem Guten Hirten, der sein Leben für die Schafe hingibt“ (Vers 11.14).

 

Der Gute Hirt gibt sein Leben hin für alle: ich habe noch andere Schafe, auch sie muss ich führen; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten (Vers 16). Er verzichtet auf kein Schaf, auch wenn es weit entfernt ist und ihn nicht kennt: alle müssen durch die Tür, die er selber ist, hereinkommen, denn er ist der alleinige Retter. Das ist auch die Mission der Kirche: allen das Leben anbieten, die Sorge um den einen Stall, Leben in Fülle.... Auch wenn die Herde groß ist, so ist doch kein Schaf zuviel oder vergessen, denn die Beziehungen sind persönlicher Natur: der Hirte kennt die Seinen und die Seinen kennen ihn (Vers 14), er ruft jedes bei seinem Namen (Vers 3).

 

Die große Liebe, mit der der Gute Hirt sein Leben für die Schafe hingibt, bringt großartige Früchte hervor: wir werden Söhne und Töchter Gottes (2. Lesung). Johannes versichert uns, dass wir es wirklich sind und dass wir einmal Gott sehen „wie er ist“ (Verse 1-2). Durch die Hingabe seines Lebens ist der Gute Hirt der alleinige und universale Retter aller Menschen geworden. Petrus spricht das vor dem Hohen Rat klar aus (1. Lesung): „In keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen“ (Vers 12).

 

Den Spuren Jesu Christi des Guten Hirten folgen ist auch das Anliegen des 43. Weltgebetstages für geistliche Berufe. Sein Thema lautet: „Berufung im Geheimnis der Kirche“. (*)   Die Berufung zur besonderen Weihe (Priestertum, Ordensberuf, Missionsberuf, Laiendienste....) wird gefestigt durch die persönliche Erfahrung, von Jemand geliebt und berufen zu sein, der vor mir ist. Für jede Berufung sind die Worte Jesu: „Ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich“, ausschlaggebend (Vers 14). Es handelt sich hier um eine grundlegende Erfahrung, die der protestantische Theologe Karl Barth so beschreibt und dadurch den Idealismus von Descartes überwindet: „Cogitor, ergo sum“ (ich werde gedacht, also bin ich). Sich im Herzen Gottes geborgen fühlen, erfüllt dich mit Leben und Sicherheit, du fühlst dich Sohn und Bruder und wirst so zum Apostel.

 

Dein Herz öffnet sich der Welt, es nimmt Anteil an den Ängsten und Sorgen des Guten Hirten, der noch „andere Schafe“ hat (Vers16), die es noch hereinzuholen und zu retten gilt. Durch die Betrachtung identifizierst du dich allmählich mit dem Guten Hirten: du wirst Teil der  missionarischen Kirche, dein Horizont weitet sich und umschließt die Welt. Der Bischof von Verona P. Flavio Roberto Carraro hat das so ausgedrückt: „Die Pfarreien dürfen nicht ruhige Schafställe sein wo man nur für die anwesenden Schafe sorgt, sie sollen vielmehr Orte für die Begegnung mit dem Auferstandenen werden, um dann hinauszugehen und Christus zu verkünden. Die Christen sollen ihren Glauben nicht nur praktizieren, sondern auch das Wort ergreifen, um ihre Hoffnung zu rechtfertigen“.

 

 

Wort des Papstes

(*) „Eingedenk dessen, was Jesus uns ans Herz gelegt hat: »Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden« (Mt 9,37), verspüren wir den lebhaften Wunsch, für die Berufungen zum Priestertum und zum geweihten Leben zu beten. Es ist nicht überraschend, dass es dort, wo mit Hingabe gebetet wird, viele Berufungen gibt. Die Heiligkeit der Kirche hängt im Wesentlichen von der Vereinigung mit Christus und von der Öffnung gegenüber dem Geheimnis der Gnade ab, das im Herzen der Gläubigen wirkt. Daher möchte ich alle Gläubigen einladen, eine persönliche Beziehung zu Christus, dem Meister und Hirten seines Volkes zu pflegen und so Maria nachzuahmen, die im Herzen die göttlichen Geheimnisse bewahrte und ständig darüber nachdachte“ (Lk 2,19).

Benedikt XVI.

Botschaft zum 43. Weltgebetstag für geistliche Berufungen, 7. Mai 2006

 

Auf den Spuren der Missionare

- 07.05. 43. Weltgebetstag für geistliche Berufungen.

- 08.05. Sel. Maria Katherina vom Hl. Augustin Symon di Longprey (+1668); ihr Leben galt der Krankenpflege in Quebec, Kanada.

- 08.05. Welttag des Roten Kreuzes (seit 1929) und des Roten Halbmondes.

- 09.05. Hl. Pachomius (Oberägypten 290-348), Begründer des Coenobitentums. 

- 10.05. Hl. Juan de Avila (1500-1569), Volksmissionar im Süden Spaniens.

- 03.05. Sel. Johannes Merz (1928), kroatischer Laie, Humanist, soziale Tätigkeit.

- 11.05. P. Matteo Ricci (1552-1610), Jesuit, gestorben und begraben in Peking; einer der großen Chinamissionare.

- 13.05. Jahrtag der Erscheinungen der Muttergottes in Fatima (Portugal, 1917).

 

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Verantwortlich: P. Romeo Ballan, mccj – emeritierter Direktor des CIAM, Rom

Sito Web:   www.ciam.orq    “Wort zur Mission   –   Parola per la Missione”

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