WORT ZUR MISSION

Missionarische Gedanken zur Sonntagsliturgie

CIAM bietet Laien, Ordensleuten und Priestern wöchentlich einige Gedanken zur Sonntags-liturgie mit missionarischem Inhalt. Sie sind als Anregung gedacht für die missionarische, persönliche und gemeinschaftliche Betrachtung des Wortes Gottes, das den missionarischen Auftrag der Kirche in der Welt erleuchtet und bestärkt.

 


Die Schwierigkeit, sich der Liebe und
der Mission zu öffnen




VI. Sonntag der Osterzeit

Lesejahr B – 21.5.2006

 


Apostelgeschichte 10,25-27.34-35.44-48  

Antwortpsalm 98

1 Johannes 4,7-10  

Johannes 15,9-19

 

Überlegungen

Nach dem Evangelium des Johannes beginnt  Jesu Ostern mit der „Fußwaschung“, einer Geste sakramentalen und eucharistischen Inhalts. Wir stehen am Beginn der „Abschieds-rede“ (Kapitel 13–17), in denen der Evangelist ihm wichtige theologische Themen anführt: er spricht mit Nachdruck vom Gebot der Liebe (Evangelium), erklärt die österliche und eschato-logische Bedeutung von Jesu Abschied, enthüllt die Beziehungen Jesu innerhalb der Dreifaltigkeit, zeigt das Antlitz des Vaters und des Trösters, fasst das innige Gebet Jesu zum Vater zusammen.  Für Jesus sind es Stunden inniger Vertraulichkeit mit seinen Freunden (Vers 15): er offenbart sich ihnen als „Weg-Wahrheit-Leben“, schenkt ihnen seinen Frieden und ermuntert sie zum Vertrauen, denn „ich habe die Welt überwunden (Joh 16,33).

 

In dieser so bedeutungsvollen und mit Emotionen geladenen Atmosphäre des Abschieds gewinnt die Unterweisung Jesu über das Ausmaß der Liebe eine besondere Bedeutung. Er spricht in erster Linie von der ersten Quelle der Liebe, der quellhaften Liebe (Ad Gentes 2) der Dreifaltigkeit: „wie mich der Vater geliebt hat...“; vom Vater fließt die Liebe zum Sohn  in der Fülle des Geistes; und von diesem zu den Apostel: „so habe auch ich euch geliebt; bleibt in meiner Liebe“ (Vers 9). Von den Aposteln geht die Liebe auf alle über: „liebt einander“ (Verse 12.17). Jesus bietet sich an als Maß, als Modell, als Inspiration für die größte Liebe: er wäscht seinen Jüngern die Füße und gibt sein Leben hin für seine Freunde (Vers 13).  *

 

Die Liebe, von der Jesus spricht, hat klare missionarische Dimensionen, wie zwei Aussagen, die zusammen gelesen werden sollen, zeigen: „wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt; bleibt in meiner Liebe“ (Vers 9) – „wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch... empfangt den Heiligen Geist“ (Joh 20,21-22). Liebe und Mission gehen Hand in Hand: die Liebe führt zur Mission, die Mission hat in der Liebe ihren Ursprung.  Alles geschieht im Zeichen und in der Kraft des Geistes der Liebe. Johannes (2. Lesung) unterstreicht diese Aussage, indem er auf den göttlichen Ursprung der Liebe hinweist: „lieben wir einander... denn die Liebe ist aus Gott...; denn Gott ist Liebe...; er hat uns zuerst geliebt“ (Verse 7.8.10).

 

Lieben bis zur Hingabe des Lebens für andere! Das ist die größte Liebe, die Liebe der Märtyrer und der Missionare. Einer der sieben Trappistenmönche, die in Tibhirine (Algerien) vor genau zehn Jahren von fundamentalistischen Muslimen ermordet wurden, hat folgende Worte hinterlassen: „Sollte einmal der Tag kommen – es könnte schon heute sein – an dem ich als Opfer des Terrorismus, der alle Ausländer in Algerien verschlingen möchte, umkomme, dann mögen meine Gemeinschaft, meine Kirche, meine Familie daran denken, dass ich mein Leben Gott und diesem Land geschenkt habe“ (Christian de Chergé).

 

Die Liebe Gottes umfasst alle; daher muss auch die Mission für alle Völker offen sein. Diese universale Bestimmung der christlichen Liebe, die sich durch den Missionsdienst der Kirche ausweitet, ist ersichtlich in der Bekehrung des heidnischen Hauptmannes Kornelius (1. Lesung), was der Theologe Augusto Barbi von Verona treffend aufzeigt. Die Kirche hat sich schwer getan, sich den Heiden zu öffnen. Die Geschichte des Kornelius in der Apostel-geschichte leitet eine Wende ein. Der Raum, der diesem Ereignis gewidmet wird (66 Verse) und die Wiederholung einiger Teile der Erzählung unterstreichen seine Bedeutung, aber auch den mühevollen Weg, der zur vollen Integration der Heiden in der Kirche führt. Petrus entwickelt wichtige missionstheologische Überlegungen zum Thema der Erlösung für jeden Menschen: „Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist“ (Verse 34-35). Das sind schöne Überlegungen, wer aber das Problem wirklich löst, ist der Heilige Geist, der auf alle Anwesenden herabkommt: auf die Gläubigen und auf die Heiden (Verse 44-45) und dadurch auch für diese Letzten die Pforte der Taufe öffnet (Verse 47-48).

 

Der Widerstand der ersten Christengemeinde – wie auch das Zögern des Petrus selbst – kommt von der kulturellen und religiösen Verschiedenheit der beiden Gruppen, von den Vorurteilen gegenüber den Fremden und von der Angst. In den Personen und in der Erzählung von Kornelius kann man wichtige Richtlinien auch für die Kirche von heute finden, die oft vor kulturellen und religiösen Verschiedenheiten steht sowie vor der Aufgabe, sich immer wieder neu der Universalität und der Mission, der Gastfreundschaft und der Evangelisierung zu öffnen.

 

 

Wort des Papstes

(*)  „Alles Handeln der Kirche ist Ausdruck einer Liebe, die das ganzheitliche Wohl des Menschen anstrebt: seine Evangelisierung durch das Wort und die Sakramente – ein in seinen geschichtlichen Verwirklichungen oftmals heroisches Unterfangen – und seine Förderung und Entwicklung in den verschiedenen Bereichen menschlichen Lebens und Wirkens. So ist Liebe der Dienst, den die Kirche entfaltet, um unentwegt den auch materiellen Leiden und Nöten der Menschen zu begegnen“.

Benedikt XVI.

Enzyklika „Deus Caritas est“ (25.12.05) Nr. 19

 

 

Auf den Spuren der Missionare

- 21.05. Hl. Eugen von Mazenod (1782-1861), Bischof von Marseilles und Gründer der Oblaten von der Unbefleckten Empfängnis.

- 21.05. Hl. Martyrer von Mexiko: Cristoforo Magallanes und 24 Gefährten. Sie wurden 1927 während der mexikanischen Christenverfolgung hingerichtet.

- 21.05. Gedächtnis der 7 französischen Trappistenmönche, die 1996 von muslimischen Fundamentalisten in Tibhirine (Algerien) ermordet wurden.

- 24.05. Sel. Johannes von Prado (+1631), Franziskanermissionar und Märtyrer in Marokko.

- 25.05. Afrikatag. Jahrtag der Gründung der  OUA (Organisation der afrikanischen Einheit), gegründet in Addis Abeba (Äthiopien) 1963.

- 26.05 Hl. Philipp Neri (1515-1595), Priester und Apostel der römischen Jugend, Gründer der Oratorianer.

- 26.05. Hl. Maria Anna von Jesus de Paredes (+1645), Franziskanertertiarin, setzte sich in Ekuador für die Einheimischen und die afrikanischen Einwanderer ein.

- 27.05. Hl. Augustinus, Bischof von Canterbury (+604/605), römischer Mönch. Er wurde von Gregor dem Großen als Missionar nach England geschickt, wo er mehrere Diözesen gründete.

 


 

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Verantwortlich: P. Romeo Ballan, mccj – emeritierter Direktor des CIAM, Rom

Sito Web:   www.ciam.orq    “Wort zur Mission   –   Parola per la Missione”

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