Jesája 8,3b-9,3
Psalm 26
1 Korinther 1,10-13.17
Matthäus 4,12-23
Besinnung
Von den ersten öffentlichen Auftritten (Evangelium)
an stellt
Jesus sich als Wandermissionar dar: er lehrt, predigt die Frohe
Botschaft
vom Reich, heilt
Kranke, beruft Jünger… (V. 23). Er beginnt seine
Mission nicht an wichtigen und religiösen Orten wie Jerusalem,
sondern in Randgebieten,
unter den Fernstehenden, den Andersgläubigen, den weniger
Religiösen,
den Halbheiden, den Unreinen im Kontakt mit den Heiden. Als solche
waren die
Bewohner von Galiläa angesehen (V. 15). Jesus verlässt
Nazareth und läßt sich
in Kapharnaum nieder, einer Grenzstadt, mit einer Zollstation für
Durchgangswaren entlang des „Weges am Meer“ (V. 13.15), die
Kaiserstraße, die
Ägypten, Palästina, Syrien und Mesopotamien verband. Seit dem
Altertum also war
Galiläa ein Kreuzpunkt der Völker, dem Durchzug von Truppen
und der Kontrolle
des Handels unterworfen, mit den sich daraus ergebenden moralischen
Verunreinigungen und Rückfällen. So versteht man den Aufruf,
den der Prophet
Jesaia an die Bewohner der Region ergehen lässt (1. Lesung):
von der
demütigenden Erfahrung der Sklaverei (V. 3) und dem Joch der
Unterdrückung (V.
3) zum Leben in Freiheit, in großem Licht (V.1) und in Freude (V.
2) übergehen.
Matthäus (Evangelium) sieht, dass die Verheißung des
Jesaia mit der
Gegenwart Jesu (V. 14-17) sich erfüllt: seine Sendung ist ein
Anfang voll
von Hoffnung (V. 23), allerdings auf der Grundlage eines
fordernden
Programms der Bekehrung zu Gott und des Einsatzes für sein Reich
(V. 17).
Mit dieser einführenden Wahl zeigt Jesus, dass die ersten
Adressaten
seines Evangeliums und des Reiches nicht die Gerechten sind,
die
Praktizierenden oder die sich dafür halten, sondern die
Fernstehenden, die
Ausgeschlossenen… Das ist der demütige Anfang einer Mission, die
weltweite Horizonte
haben wird, und die von den Jüngern und ihren Nachfolgern voran
getragen werden
wird, dazu berufen, Jesus zu folgen und in allen Teilen der Welt
„Menschenfischer“ (V. 19) zu sein. Die missionarische Berufung
bedeutet
immer einen Auszug, einen Abschied, oft auch im geographischen
Sinn,
jemanden oder etwas aufgeben; sie bedeutet immer ein Abstandnehmen, ein
Ausziehen aus dem eigenen Egoismus. Hier verläßt Jesus
Nazareth (V. 13) und die
Sphäre der Vertraulichkeit mit seiner Mutter, Er, der gewählt
hat, der Emmanuel
in menschlichem Fleisch zu sein. Wie früher Abraham aufgefordert
worden war,
aus seiner Heimat und seiner Verwandtschaft auszuziehen, so verlassen
jetzt
zwei Gruppen von Brüdern, aufgefordert von Jesus, ihm zu folgen,
ihre Netze,
das Boot und den Vater (V. 20.22). In jedem Fall ist die Berufung nie
ein
Aufbruch zu einer Leere; es ist ein Aufgeben von etwas, um
Jemandem zu
folgen, ein Aufbruch zur Begegnung mit einem Andern. An erster
Stelle
steht immer das sich Anschließen an die Person Jesu.
Diese Berufung und Mission senkt ihre Wurzeln in eine Bekehrung
(„Bekehrt
euch…“, V. 17), einen Wandel der Gesinnung, eine Neuorientierung auf
Gott hin
und auf sein Reich, dessen Fülle Jesus Christus ist. Die
Bekehrung auf
Christus hin bedeutet Nachfolge und Sendung, das tief
verwurzelt Sein
in Ihm und das wohl eingefügt Sein in die Welt: „ich werde euch zu
Menschenfischern machen“ (V.19). So ist es Paulus ergangen (zweite
Lesung),
dessen Bekehrung wir in diesen Tagen (25. Januar) feiern. Eine totale
Bekehrung, die treu bleibt bis zum Martyrium! Auf dem Weg nach
Damaskus
wurde nicht nur ein Christ geboren, sondern auch der größte
Missionar unter den
Heiden, der verliebte Prediger des gekreuzigten und
auferstandenen
Christus (V.10) (*).
Die paulinische Botschaft hat ihre Aktualität im Zusammenhang der
Gebetswoche
für die Einheit der Christen, die berufen sind, in Einheit zu
leben, Spaltungen
und Uneinigkeiten zu meiden, in vollkommener Einigkeit zu verharren (V.
10-11),
weil Christus nicht geteilt ist (v. 13). Sich der Weite und
Dringlichkeit der
Probleme der Welt bewusst werden hilft, aus den örtlichen
Egoismen, Spaltungen
und Spannungen auszubrechen. Mit einem Gespür der Aktualität
hat die Hl. Theresia
von Avila gesagt: „Die Welt steht in Flammen, es ist keine Zeit, um
sich mit
Gott über zweitrangige Dinge zu unterhalten… Wenn ich die
großen Nöte der
Kirche sehe, fühle ich mich von ihnen so sehr betrübt, dass
mir die Sorge um
andere Dinge wie ein Hohn erscheint“.
Die
Berufung und der Missionsauftrag Jesu (Evangelium) sind in Bezug
zu Methode und Inhalt, allumfassend. Sie
gliedern sich in vier Momente:
1. Ein Blick auf die Weltlage:
entfernte, periphere und
religiös schwache Völker (V. 13-16);
2. Einladung zur Bekehrung
des Herzens hin zu Gott
und sein Reich (V. 17);
3. Begegnung mit und Nachfolge
Christi: „folgt mir nach…“
(V. 19.21);
4. Mission
in der Welt: „Menschenfischer… (V. 19).
Wort des Papstes
(*) “ Der
Evangelisierungsauftrag der Kirche ist die Antwort auf den Ruf:
»Komm, Herr
Jesus«, der die ganze Heilsgeschichte durchzieht und der
weiterhin auf den
Lippen der Gläubigen abzulesen ist… Die gläubige Annahme der
Frohbotschaft von
sich aus drängt dazu, das als Geschenk empfangene Heil den anderen
mitzuteilen…
Nichts ist schöner, dringlicher und wichtiger, als unentgeltlich
den Menschen
das weiterzuschenken, was wir unentgeltlich von Gott empfangen haben!
Nichts
darf uns von dieser beschwerlichen und faszinierenden Aufgabe befreien
oder
entpflichten… Jeder einzelne Christ und jede Gemeinschaft möge die
Freude
spüren, mit den anderen die Frohe Botschaft zu teilen, dass Gott
die Welt so
sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit die Welt
durch ihn
gerettet werde. (Jo 3,16-17)”.
Benedikt
XVI.
Angelus,
23. Dezember 2007
Auf den Spuren der
Missionare
- 23/1: Hl. Hildefons, Bischof von Toledo
(607-667), religiöser
Schriftsteller; mit seinem Anstoß zur Liturgie und zur
Marienverehrung gab er
der Kirche in Spanien Festigkeit.
- 23/1: Sel. Marianne Cope (1838-1918),
deutsche Franziskanerin, wanderte
in die USA aus und arbeitete Jahrzehnte lang
als Missionarin unter den
Aussätzigen auf den Inseln Hawaii und
Molokai.
- 24/1: Hl. Franz von Sales (1567-1622),
Bischof von Genf, Kirchenlehrer,
Seelenführer, Schriftsteller, Glaubensverkünder und
Gründer, Patron der
Journalisten.
- 25/1: Bekehrung des hl. Paulus, Apostel der
Heiden. Auf dem Weg nach
Damaskus wurde nicht nur ein Christ geboren, sondern der
größte Missionar der
Geschichte.
- 26/1: Heilige Timotheus und Titus,
Mitarbeiter des hl. Paulus, Bischöfe
in Ephesus und Kreta.
- 27/1: Hl.
Angela Merici
(1474-1540), Gründerin der Gesellschaft der Ursulinen,
Bahnbrecherin unter den
Frauen des gottgeweihten Lebens in der Welt, außerhalb der
klösterlichen
Traditionen.
- 28/1: Hl.
Thomas v. Aquin,
Kirchenlehrer. Seine Summa contra Gentiles ist eines der ersten
Handbücher für die Mission unter den Nichtchristen, besonders
den Moslems.
- 29/1: Hl.
Josef Freinademetz
(1852-1908), einer der ersten Steyler Missionare in China.
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Verantwortlich:
P. Romeo Ballan – Missionari Comboniani (Verona)
Website: www.euntes.net
“Parola per la Missione”
Deutsch: P.
Wilhelm K.Müller SVD, Rom
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