Auf die
Liebe setzen: „das
habt ihr mir getan“
Christkönigssonntag
- XXXIV. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr A –
Sonntag, 20.11.2011- ( * siehe Anmerkung unten)
Sprichwörter Ez 34,11-12.15-17
Antwortpsalm 23
1
Korinther 15,20-26.28
Matthäus 25, 31-46
Überlegungen
Die
Botschaft des
heutigen Sonntags, Christkönigsfest und letzter Sonntag des
Kirchenjahres, ist
eine Zusammenfassung und schaut in die
Vergangenheit,
in die Gegenwart und in
die Zukunft der Menschen und ihrer Geschichte. Es ist die Zeit des
Heiles Jesu
Christi, der immer „Gott mit uns“ ist. Er ist in Bethlehem im Fleisch
erschienen (Mt 1,23), er begleitet uns im Alltag (Mt 28,20) und wird am
Ende
der Zeiten als König-Hirte und Richter kommen. Seine Gegenwart unter uns ist
eine Gegenwart der Liebe, er schenkt uns Trost im Leiden und
erfüllt
uns mit Hoffnung in der Erwartung des letzten Gerichts. Jener letzte
Augenblick
wird im heutigen Evangelium in einer
Weise beschrieben (Verse 41-46),
die mit dem übrigen Evangelium im Gegensatz zu stehen scheint, das
ja einen
gütigen Jesus darstellt, „den Freund von Zöllnern und
Sündern“ (Lk 7,34), der
Mensch geworden ist, um „zu retten, was verloren war“ (Lk 19,10).
Gleich nach
dieser grandiosen Gerichtsszene spricht Matthäus vom Jesus, der
„ausgeliefert
und gekreuzigt werden wird“ (Mt 26,2).
Jesus, der Gute
Hirt, der sein Leben für seine Schafe hingibt (Joh 10),
verwirklicht den Plan
Gottes, den Ezechiel (I. Lesung) als
grüne Weideplätze beschreibt, die seine liebevolle Fürsorge für die Schafe
ausdrücken wollen: Er
sucht die Schafe, kümmert sich um sie, holt sie zurück, ruft
sie zusammen,
führt sie auf die Weideplätze, heilt sie …. Der Psalmist
besingt seine Sicherheit und sein Glück, da der
Hirte
in seiner Nähe ist (Antwortpsalm).
Paulus (II. Lesung) beteuert mit
Nachdruck, dass das Übel, einschließlich des Todes,
zerstört und überwunden
werden wird, dank der Auferstehung Christi.
Um den Text vom
Gericht in Matthäus 25 richtig zu verstehen, muss man sich die
literarische
Gattung der Bilder vom Gericht vor
Augen halten, die nicht beschreibt, was zutreffen wird, sondern
belehren will, wie man sich heute zu verhalten hat.
Mehr als eine Information über die Zukunft wird ein Programm
für das
gegenwärtige Leben erstellt. Im Licht des letzten Gerichts zeigt
uns Jesus, von
welcher Güte unsere Handlungen sein sollen, und wie wir unser
Leben
auszurichten haben, um nicht alles falsch zu machen. Sein Weg ist der
einzig
richtige, es ist der Weg der Liebe und des Dienstes an den
Bedürftigen. „Am
Abend unseres Lebens werden wir über die Liebe gerichtet werden“,
schreibt
der hl. Johannes vom Kreuz.
Die Liebe zu den
Letzten öffnet die Tür zum Reich Gottes: „Kommt her, die
ihr von meinem Vater gesegnet seid ….“ (Vers 34). Jesus zeigt uns den
Weg
dorthin: Viermal zählt er sechs Werke der
Liebe zugunsten des Nächsten auf:
Ich war hungrig, durstig, fremd, nackt, krank, im Gefängnis.
Solchen Menschen
helfen ist Aufgabe eines jeden Christen und Teil der täglichen
Arbeit der
Missionare. Es ist eine Aufgabe, die jeder Christ leisten kann, auch
die
Anhänger aller Religionen. Auf der Ebene solcher Werke treffen wir
uns mit
allen Menschen guten Willens. Eine Liste solcher Werke finden wir in Is
58,6-7.
Bereits das Buch der Toten (125.
Kapitel) des 2. Jahrtausends vor Christus, entstanden in Ägypten,
legte
folgende Worte in den Mund des Verstorbenen: „Ich habe getan, was den
Göttern
Freude bereitet. Ich habe dem Hungernden Brot und dem Durstigen Wasser
gereicht, habe den Nackten bekleidet und jenen mitgenommen, der kein
Boot hatte
…“ Jesus aber hat diesen Werken etwas ganz Neues hinzugefügt: Er
identifiziert
sich mit den Ärmsten und Kleinsten, so dass er sagen kann: “Das
habt ihr mir getan“ (Vers 40). Jesus bevorzugt die Letzten.
Matthäus
benützt hier den gleichen Ausdruck wie bei der Beschreibung von
Bethlehem (Mt
2,6), dem bedeutungslosen Ort, aus dem der Messias kommt. Jeder Arme
ist
gleichsam ein Bethlehem: Der Ort der Offenbarung des Herrn. Deshalb ist
die
bevorzugte
Option für die Armen keine freie Alternative, sondern
vielmehr eine
Pflicht für die Kirche, wie Johannes
Paul II. energisch betont,
indem er die Christen einladet „auf die Liebe zu setzen“. Hier steht
die Treue
der Kirche zu Christus auf dem Spiele. (*)
Charles de
Foucauld, der am 13.11.2005 selig
gesprochen worden ist,
lebte ganz bewusst diese Präsenz Jesu in den Armen. Unter den
muslimischen
Beduinen der Wüste und in ihrer Umwelt wollte er sein Leben
verbringen. Wenige
Monate vor seinem Tode schrieb er: „Ich glaube, es gibt kein anderes
Wort im
Evangelium, das mich so beeindruckt und mein Leben so geändert
hat, wie dieses:
„Was ihr einem von diesen Kleinen tut, das
habt ihr mir getan“. Wenn wir
bedenken, dass diese Worte von der ewigen Wahrheit stammen und aus dem
Mund
Jesu kommen, der gesagt hat: „Das ist mein Leib … Das ist mein Blut“,
dann
sollten wir mit großer Entschlossenheit Jesus in diesen Kleinen,
in den
Sündern, in den Armen suchen und lieben“. Charles vermochte die
Gegenwart
Christi sowohl in
der Eucharistie als auch in den Armen,
die Nicht-Christen eingeschlossen, zu erkennen. Er ist ein wirklicher
Zeuge.
Wort des Papstes
(*) „Wenn wir wirklich von der
Betrachtung
Christi ausgegangen sind, werden wir in der Lage sein, ihn vor allem im
Antlitz
derer zu erkennen, mit denen er sich selbst gern identifiziert hat:
»Ich war
hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr
habt
mir... ich war fremd und obdachlos... ich war nackt... ich war krank...
ich war
im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen« (Mt 25,35-36).
Diese Aussage ist
nicht nur eine Aufforderung zur Nächstenliebe; sie ist ein
Stück
Christologie, das einen Lichtstrahl auf das Geheimnis Christi wirft.
Daran
misst die Kirche ihre Treue als Braut Christi nicht weniger, als wenn
es um die
Rechtgläubigkeit geht... Wenn wir uns aber an die
unmissverständlichen Worte
des Evangeliums halten, dann ist in den Armen Christus in besonderer
Weise
gegenwärtig, was der Kirche eine vorrangige Option für
sie auferlegt“.
Johannes Paulus II.
Novo Millennio
Ineunte (2001), Nr. 49
Auf den
Spuren
der Missionare
- 20/11:
Christkönigsfest.
- 20/11:
Welttag der Rechte der Kinder, von der UNO
1989 eingeführt.
- 21/11:
Darstellung Marä im Tempel – (Heute oder an einem
anderen Tag): Tag
Pro Orantibus für die die Ordensleeute des kontemplativen Lebens.
- 22/11: Hl.
Cäcilia, römische Märtyrerin – Welttag
der Musik.
- 23/11: Hl.
Kolumban, Abt (+615), Ire, Bischof,
Wandermissionar in Gallien, in der Schweiz, in Italien, Gründer
zahlreicher
Klöster.
- 23/11: Sel.
Miguel Agustín Pro (1891-1927),
mexikanischer Jesuit; als Märtyrer während der
Christenverfolgung gestorben.
Mit ihm gedenken wir vieler anderer Märtyrer seiner Zeit.
- 24/11:
Hl. Andreas Dung-Lac (+1839)
und Gefährten. Sie starben als Märtyrer in Vietnam. Johannes
Paul II. hat 1988
117 von ihnen heilig gesprochen: Bischöfe, Priester und Laien, die
an
verschiedenen Orten, zu verschiedenen Zeiten und in verschiedener Weise
ermordet wurden.
- 24/11: Sel.
Pietro Kibe Kasui (1587-1639),
japanischer Jesuit und 187 Gefährten, die zwischen 1603 und 1639
hingerichtet
wurden, vier waren Priester und alle anderen Laien, unter ihnen auch
Kinder und
Frauen. Es ist die dritte Gruppe von japanischen Märtyrern (nach
denen von 1597
und 1622). Sie wurden 2008 in Nagasaki seliggesprochen.
- 26/11:
Hl. Leonhard von Porto Maurizio (1667-1751),
Franziskaner, der besonders als Volksmissionar gearbeitet hat. Auf ihn
geht der
Kreuzweg zurück.
- 26.11: Sel.
Giacomo Alberione (1884-1971), Gründer der
„Famiglia Paulina“ (10 Institute), mit dem Ziel, mit Hilfe der
Kommunikationsmittel
das Evangelium zu verkünden und die Berufe zu fördern.
- 26/11:
Gedächtnis des Kardinal Charles Lavigerie
(1825-1895), französischer Bischof von Algier, Gründer der
weißen Väter.
( * ) – Nach zwei
vollständigen liturgischen Zyklen (ABC + ABC, von 2005 – heute)
ist es
angebracht, dieses wöchentliche Angebot an Predigten zu
unterbrechen. Später
einmal kann dieser Dienst in ähnlicher oder anderer Form wieder
aufgenommen
werden.
-
Die Predigten in den verschiedenen Sprachen
bleiben im Archiv der Website und können jederzeit in www.euntes.net
abgerufen werden. Danke.