Apostelgeschichte 10,34.37-43
Psalm 117
Kolosser 3,1-4
Johannes 20,1–9
Besinnung
Wir beginnen das
Fest mit einem österlichen Abschnitt aus dem
Evangelium
des Johannes. Die Ankunft in Jerusalem von einigen
griechischen
Pilgern, am
Vorabend von Jesu letztem Osterfest, wirft ein
grelles Licht auf das Geheimnis,
das immer näher rückt. Jene Pilger tragen eine Frage im
Herzen und auf ihren
Lippen: „Wir willen Jesus sehen“ (Joh
12,21). Es handelte sich um
Personen griechischer Sprache und Kultur, um Bekehrte oder
Sympathisanten des
Judaismus. Ihr Wunsch hat eine tiefe, missionarische Bedeutung. Die
Frage
übersteigt die Neugierde, den Star
des Tages kennen zu lernen. Sie gehören einem anderen Volk an,
kommen von weit
her, die Reise ist beschwerlich gewesen, sie tragen religiöse
Beweggründe im
Herzen… Sie wollen Jesus sehen: nicht
um ihn kurz zu begrüßen, sondern um seine
Identität kennen zu lernen,
die Lebensbotschaft zu erfahren. Im Bericht des Johannes finden wir
noch andere
berufliche und missionarische
Einzelheiten: um zu Jesus zu gelangen,
braucht es oft Führer, Begleiter. Jene Pilger suchen Mittelsleute
aus ihrem Milieu,
Philipp und Andreas, die einzigen von den Aposteln mit griechischen
Namen.
Jene griechischen Pilger haben sinnbildlichen
Charakter: gemeinsam
mit anderen Personen von nicht hebräischer Abstammung (wie der
Hauptmann von Kafarnaum,
die kananäische Frau und andere), sind sie die
Erstlinge der fernen Völker, die
ebenfalls berufen sind, sich auf den Weg des Herrn zu machen. Der
Wunsch das
Leben zu ändern, den wahren Gott kennen zu lernen und vielleicht
sogar Christus
zu treffen, ist einem jeden Menschen angeboren. Dieser Wunsch
durchzieht die
Jahrhunderte, ergreift Personen, Völker, Kulturen; bei manchen
handelt es sich
um einen ausdrücklichen Wunsch, in anderen ist er lautlos,
intuitiv, unaussprechbar,
oft verschwommen, fragmentarisch, aber es ist ein Seufzen, das in der
Tiefe des
Herzens entsteht. Es sind wahre SOS des Geistes,
kleine oder
vielsagende sms… Mehr als Worte
sprechen oft Gesten, Umstände, Leiden, Tragödien, das
Schweigen…
“Wir
wollen Jesus sehen!” Er beantwortet die Bitte der griechischen
Pilger
mit dem Hinweis, dass seine Stunde
gekommen ist, die
Stunde von der Erde erhöht zu werden und alle an sich zu ziehen
(Joh 12,32),
damit alle Völker zur Fülle des Lebens gelangen. Die Stunde
des Weizenkorns,
das stirbt, um viele Frucht zu bringen (Joh 12,24). Hier finden wir
eine
autobiographische Einzelheit: Das Weizenkorn, das stirbt, um Leben zu
bringen,
ist Jesus selbst. Er spricht von sich selbst und zeigt den einzigen
Weg, der
zum Leben führt: der Weg durch Tod und Auferstehung. Nur wer
diesen Weg
beschreitet, wird dann in der Lage sein, anderen den verstorbenen und
auferstandenen Christus zu zeigen. Der Evangelist Johannes zeigt auf,
wer in der Lage sein wird, anderen zur Begegnung
mit Jesus zu verhelfen: Es sind die Apostel, die mit
österlicher Freude
verkünden, nachdem sie persönlich dem Auferstandenen begegnet
waren: „Wir
haben den Herrn gesehen!“ (Joh 20,24). Für Johannes
umspannen diese
zwei Sätze den ganzen Bogen der Mission: „Wir
wollen Jesus sehen!“ und „Wir
haben den Herrn gesehen!“ Der Verlauf ist vollständig in
beiden Phasen:
Beginn, Begegnung, Dialog, Wachstum, Reife, Freude, Ausstrahlung…
Wer wird die vielen Erwartungen beantworten? Die Antwort ist
Männern und
Frauen anvertraut, uns Christen, uns Zeugen der Auferstehung. Eine
theoretische Antwort oder die Wiederholung einer Formel genügt
nicht. Die missionarische Antwort
muss von der
liebenden Bekanntschaft, von der Bekehrung, von der Zugehörigkeit
zu Christus
kommen. Die Christen, die Missionare
müssen wie die Apostel nach der Auferstehung bekennen können:
„Wir
haben den Herrn gesehen!“ (Joh 20,24). „Der Apostel ist ein
Gesandter,
aber vorher noch ein Experte Christi“
(Benedikt XVI.). Auch er muss ein
Weizenkorn werden, das stirbt, um Frucht zu bringen. Nur so kann er
glaubwürdig
und wirksam das Evangelium verkünden. (*)
Aus der Erfahrung mit dem neuen Leben in Christus erwächst der Missionseinsatz der
Verkündigung und Mitteilung. Seitdem Christus
auferstanden ist, gibt es
eine neue Art der Beziehung: mit Gott, zwischen den Menschen, mit der
Welt, mit
den Kräften des Guten und mit jenen des Bösen… Ein besseres Leben ist nun
möglich dank des Einsatzes jener, die an Christus, der
gestorben und
auferstanden ist, glauben.
Der Glaube an die Auferstehung Christi führt dazu, uns für
die Auferstehung
des Menschen einzusetzen. Das
Thema der Ausstellung des Grabtuches, die in Turin stattfinden wird
(10. April – 23. Mai 2010), hat eine große menschliche und
missionarische Aussagekraft: „Leiden Christi – Leiden des
Menschen“. Christus,
der Mann der Schmerzen, erleidet heute seine Passion in den Leiden des
Menschen. Durch sein Leiden und seine Auferstehung wird Christus der
Stammvater
einer neuen Menschenfamilie, die an Ostern geboren wird: es ist die
Familie der
Auferstandenen. Missionsarbeit bedeutet heute für Laien,
Schwestern und Priester
mit dem Geist des Auferstandenen mitarbeiten, denn die Auferstehung Christi wird zur
Auferstehung des Menschen. Auf diese Weise wendet sich die
Betrachtung
des Leidens Christi nicht nur der Vergangenheit zu, sondern wird
Einsatz für
die Gegenwart und für die Zukunft: sie mündet
notwendigerweise in einen neuen
Missionseinsatz ein.
Wort
des Papstes
(*) „Die
Auferstehung ist nicht vergangen, die Auferstehung hat nach uns
gegriffen, hat
uns ergriffen. An ihr, das heißt am auferstandenen Herrn halten
wir uns fest,
und wir wissen: Er hält uns fest, wenn unsere Hände zu
schwach werden. An ihm
halten wir uns fest, so halten wir auch einander fest, werden einer,
nicht nur
eins. Ich, doch nicht mehr ich:
Das ist die von der Taufe vorgegebene Formel der christlichen Existenz,
die
Formel der Auferstehung mitten in der Zeit. Ich, doch
nicht mehr ich: Wenn wir so leben, gestalten
wir die Welt um. Es ist die Gegenformel zu allen
Ideologien der Gewalt und das Gegenprogramm zu Korruption und
Suche nach Macht und Habe".
Benedikt
XVI.
Predigt in
der Osternacht, 15.4.2006
Auf den Spuren der Missionare
- 4/4: Fest der
Auferstehung Jesu Christi, des Erlösers der Welt. Alleluia!
- 4/4: Hl. Isidoro (ca. 570-636), Bischof von Sevilla,
Kirchenlehrer, Gelehrter und Organisator, letzter Kirchenvater der
lateinischen
Kirche.
- 4/4: Hl
Benedetto Massarari, der ‘Schwarze”, Nachkomme afrikanischer
Sklaven (Sizilien, 1526-1589), Franziskaner, erster heiliggesprochener
Afrikaner (1743). Mitpatron von Palermo.
- 4/4: Gedenktag
von Martin Luther King (* Atlanta, USA, 1929): Leader der
Menschenrechte, der Rassengleichheit und des “aktiven gewaltfreien
Einsatzes”,
Friedensnobelpreis (1964), ermordet in Memphis
am 4/4/1968.
- 5/4: Hl.
Vicente Ferrer (1350-1419), spanischer Dominikaner, einer der
größten Prediger und Wandermissionare von Westeuropa.
- 7/4: Hl. Jean
Baptiste de la Salle (1651-1719), Erzieher, Gründer der
Christlichen Schulbrüder. Pius XII. ernannte ihn (1950) zum
besonderen Patron
aller Lehrer.
-
7/4: Welttag
der Gesundheit, organisiert von der ONU-OMS.
-
8/4: Welttag
der Rom und Sinti.
- 9/4:
Sel. Tommaso da Tolentino (ca.
1260-1321), Franziskanermissionar,
gelangte bis China, starb in Indien den Märtyrertod.
- 9/4:
Gedächtnis von Dietrich
Bonhoeffer (1906-1945), deutscher protestantischer Theologe, Symbol des
Widerstandes
gegen den Nationalsozialismus, starb im Konzentrationslager Flossenburg.
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Verantwortlich:
P. Romeo Ballan – Missionari Comboniani (Verona)
Website: www.euntes,net Wort zur
Mission
Deutsch: P.
Alois Eder, MCCJ
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