Die
brüderliche Liebe:
Eine
explosive, ansteckende und missionarische Kraft
V.
Sonntag der Osterzeit
Lesejahr
C – 02.05.2010
Apg
14,21-27
Psalm
144
Offb
21,1-5
Joh
13,31-33a.34-35
Besinnung
Das Evangelium
zeigt zwei
gegensätzliche Momente auf, die menschlich gesprochen unvereinbar
sind. Während
des Letzten Abendmahls spricht Jesus mit Nachdruck von seiner
‚Verherrlichung’:
er spricht davon fünf Mal (V. 31-32). Judas hat gerade den Saal
verlassen und geht
in jene tragische Nacht hinaus (V. 30), trägt sein Geheimnis im
Herzen. Der
Gegensatz ist widersinnig: es fehlen nur noch wenige Stunden
bis zu
seiner Gefangennahme und seinem Tod am Kreuz, und dennoch besteht
er
darauf, von seiner Herrlichkeit zu
reden. Seine Herrlichkeit ist der Augenblick seines Todes und seiner
Auferstehung selber: zu sein wie das Weizenkorn, das in die Erde
fällt
und stirbt, um viel Frucht zu bringen (Joh 12,24). Weizenkorn
zu sein
ist sein Personalausweis. Eigenartige Herrlichkeit in
der Torheit
des Kreuzes! Mit seinem Tod und seiner Auferstehung offenbart Jesus,
wie groß
die Liebe Gottes ist, die alle rettet.
Im
Lichte dieser göttlichen Liebe, die jedes Maß
übersteigt, nimmt man die
Größe des „neuen Gebotes“ wahr, das Jesus
seinen ‘Kindern und
Jüngern’ hinterlässt als unterscheidendes Erkennungszeichen: „wie
ich
euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben“ (V.
33-35). Der
Nachdruck, den Jesus auf die gegenseitige Liebe legt – er wiederholt es
drei
Mal in zwei Versen – hat die charakteristischen Merkmale eines
wichtigen Testamentes
bezüglich eines Gebotes, das Er, mit Recht, als „neu“ bezeichnet.
Das Alte Testament
hatte vorgeschrieben: „liebe deinen Nächsten wie dich
selber“ (Lev 19,18). Jesus geht noch weiter:
1. An erster
Stelle, Sein Maß ist nicht mehr nur das „wie dich selber“, mit
all den Unsicherheiten und Mängeln, die dem Egoismus eigen sind,
sondern „wie ich euch geliebt habe“; das
bedeutet, das Maß ohne Maß der göttlichen Liebe.
2. Die Liebe,
die Jesus vorstellt, ist neu, weil sie vollständig
ungeschuldet
ist: sie sucht nicht nach Motiven zu lieben, sie liebt den, der es
nicht
verdient oder der nicht fähig ist, zurückzuzahlen, sie liebt
den, der dir Böses
tut…
3. Es handelt
sich um ein neues Gebot, denn „niemand hat vor Jesus je
versucht, eine Gesellschaft zu bauen, die auf eine Liebe wie die seine
gegründet ist. Die christliche Gemeinschaft wird so als
eine Alternative
hingestellt, als ein neuer Vorschlag für alle alten
Gesellschaften
der Welt, Gesellschaften, die gegründet sind auf Wettbewerb,
auch
Verdienstherrschaft, auf Geld, auf Macht. Diese Liebe muss die
Jünger Jesu
‘verherrlichen’ (F. Armellini). „Daran werden alle erkennen, dass ihr
meine
Jünger seid…“ (V. 35).: die gegenseitige und ungeschuldete Liebe
hat eine
unwiderstehliche, ansteckende und explosive Kraft der
missionarischen
Ausstrahlung. Die gegenseitige Liebe wird genährt von der
Vergebung, der
Versöhnung, vom Leiden, der Selbsthingabe, der Ablehnung von
Gewalt, von Werken
des Friedens. (*)
Nur die Liebe ist
fähig, neue und belebende Beziehungen zwischen den
Personen anzuregen und zu knüpfen; Nur die Revolution der
Liebe ist
fähig, die Menschen, und damit die Institutionen, zu verwandeln.
Dies lehrte
auch Raoul Follereau, ‚Apostel der Aussätzigen und Vagabund der
Liebe’: „Die
Welt hat nur zwei mögliche Bestimmungen: sich lieben oder
untergehen.
Wir haben die Liebe gewählt. Nicht eine Liebe, die sich damit
genugtut, über
die Übel der andern zu plärren, sondern eine Liebe für
die Auseinandersetzung,
eine Liebe, die Aufstand ist. Für ihr Erscheinen, für ihre
Herrschaft werden
wir kämpfen ohne zu ruhen und ohne aufzugeben. Wir müssen dem
Tag helfen
anzubrechen.“
Wer sich
diese Herausforderung zu eigen macht, nimmt die Utopie „eines
neuen Himmels und einer neuen Erde“ (zweite Lesung) an, tritt
durch den
Glauben an Den, der die Macht hat „alle Dinge neu zu machen“,
ein
in die „neue Wohnung Gottes unter den Menschen“, aus der die
Tränen, der Tod,
die Mühsal verbannt sein werden. Damit verstehen wir eine
neue
Gesellschaft, die als Grundlage und Ziel die Zivilisation der
Liebe hat.
Auch die Mission von Paulus und Barnabas (erste Lesung) hatte
dieses
Endziel: „für die Heiden die Tür des Glaubens“ zu öffnen
(V. 27) und die Jünger
zu ermahnen, mit Vertrauen die unvermeidbaren „Trübsale“ zu
durchschreiten, „um
ins Reich Gottes einzutreten“ (V. 22). Diese erste große
Missionsreise von
Paulus (Apg 13-14) ist eine gedrängte und anregende
missionarische Methode:
die Weise, wie die christliche Gemeinde von Antiochien die
auszusendenden
Missionare auswählt, für den Mut (die ‘Paräsia’) von
Paulus und Barnabas bei
der Verkündigung des Evangeliums von Jesus für Juden und
Heiden, die Gründung
neuer kirchlicher Gemeinden, die Wahl von Presbytern als ihre Leiter,
die neuen
geographischen Grenzen der Evangelisierung über die bekannten
Gebiete des Alten
Testamentes und der Evangelien hinaus, der Austausch mit der Gemeinde
von
Antiochien bei ihrer Rückkehr, das ständige Vertrauen auf den
Herrn, der die
Seinen immer begleitet… In einem Wort, ein Missionsmodell!
Wort
des Papstes
(*) „Das erste Wort des Auferstandenen an die
Seinen lautete: Friede sei mit euch (Joh
20, 19). Er selbst bringt gleichsam den Ölzweig, trägt seinen
Frieden in die
Welt herein. Er verkündet Gottes rettende Güte. Er ist unser
Friede. So sollten
Christen Menschen des Friedens sein, die das Geheimnis des Kreuzes als
Geheimnis der Versöhnung erkennen und leben. Christus siegt nicht
durch das
Schwert, sondern durch das Kreuz. Er siegt, indem er den Haß
überwindet. Er
siegt durch die Kraft seiner größeren Liebe. Das Kreuz
Christi drückt das Nein
zur Gewalt aus. Und gerade so ist es das Siegeszeichen Gottes, das den
neuen
Weg Jesu verkündigt. Der Leidende war
stärker als die Inhaber der Gewalt. In der Hingabe am Kreuz
hat Christus
die Gewalt besiegt“.
Benedikt XVI.
Predigt am
Gründonnerstag während
der Messe vom Letzten Abendmahl 1.4.2010.
Auf
den Spuren der Missionare
-
2/5: Hl. Athanasius (295-373), Bischof von
Alexandria in Ägypten und Kirchenlehrer; wurde verfolgt und
mehrere Male von
den Arianern verbannt.
-
3/5: Hl. Philippus aus Bethsaida und hl. Jakobus
der Jüngere, erster Bischof von Jerusalem.
-
3/5: Sel. Maria Leonia (Alodia) Paradis
(1840-1912), Ordensfrau, Gründerin der Kleinen Schwestern der
Heiligen Familie
von Sherbrooke, Quebec (Canada).
-
4/5: Sel. Johann Martin Moye (+1793), Missionar
der Auslandsmission von Paris in China, Gründer, gestorben in
Trier
(Deutschland).
-
6/5: Hl. Petrus Nolascus (+1245 in Barcelona),
zusammen mit dem Hl. Raimund de Peñafort und König Jakob I.
von Aragon, Gründer
des Ordens der Mercedarier für den Loskauf und die Befreiung von
Sklaven.
-
6/5: Sel. François von Montmorency-Laval
(1623-1708), französischer Missionar und Bischof von Quebec.
-
6/5: Sel. Rosa Gattorno (1831-1900),
Familienmutter und Witwe, gründete in Piacenza das Institut der
Töchter der hl.
Anna, die bald (1878) als Missionarinnen in andere Kontinente
aufbrachen.
-8/5:
Sel. Maria Caterina Symon von Longprey
(+1668), Krankenschwester der Barmherzigkeit, sorgte für die
körperliche und
geistige Gesundung der Kranken von Quebec (Canada).
-
8/5: Hl. Magdalena von Canossa (1774-1835), von
Verona: verzichtete auf ihr väterliches Erbe und gründete
zwei Kongregationen
für die christliche Erziehung der Jugend.
-
8/5: Welttag des Roten Kreuzes (seit 1929) und des
Roten Halbmonds.