Nicht
mit Steinen! Gott rettet mit seiner Liebe
V.
Fastensonntag
Lesejahr
C - 21.03.2010
Jesaja
43,16-21
Psalm 125
Philipper 3:8-14
Johannes 8:1-11
Besinnung
Das „neue Leben“
ist
das Thema der drei Sonntagslesungen. Im Evangelium gibt Jesus
der Ehebrecherin
das Leben zurück: „Geh und
sündige
von jetzt an nicht mehr!“ (V.11). Schon der
Prophet Jesaja (I.
Lesung) sprach
vom Leben zu den Verbannten in Babylonien und sagte ihnen die
Rückkehr voraus:
„Seht her, nun mache ich etwas Neues:
Schon kommt es zum Vorschein“ (V. 19). Das Versprechen wurde durch zwei
viel
sagende Zeichen erhärtet: Eine Weg in der Wüste und
Wasserströme in der Steppe.
Für Paulus (II. Lesung) ist das
neue Leben eine Person, Jesus
Christus, der einzige Schatz, vor dem alles andere Verlust und
Unrat
ist (V. 8). Er ist das einzige Ziel, das
es mit ganzer Anstrengung zu erreichen gilt. Paulus betrachtet einen
solchen
Einsatz nicht als Last, sondern als Antwort auf die Liebe zu Christus,
der ihn
ergriffen hat (V. 12). Aus dieser Erfahrung erwächst der
Missionsauftrag des
Paulus.
Beim Morgengrauen (Evangelium) auf dem Tempelplatz von
Jerusalem begann ein neues Leben
auch für die Frau die „beim Ehebruch ertappt wurde“ (V. 4). Eine
Frau muss nach
dem Gesetzt gesteinigt werden. Wie etwas Unbrauchbares wird sie vor
Jesus
geschleppt, als einzige Angeklagte für ein Vergehen, das
naturgemäß auch einen
Komplizen voraussetzt, der sich aber geschickt aus dem Staub gemacht
hat… Jesus
rettet sie vor der Steinigung mit einer überraschenden
Haltung, welche die Sachlage vollständig verändert:
da ist einmal das
entwaffnende Schweigen Jesu; dann „schreibt
er mit dem Finger auf die Erde“ (V. 6.8) mit Zeichen, welche
die
Geschichte nicht entziffern kann; schließlich die
Herausforderung, die ersten Steine auf sie zu
werfen (V.
7), die die ganze Heuchelei der herzlosen Ankläger entlarvt.
Zum Schluss bleiben die Frau und Jesus allein
zurück: „das Elend und die Barmherzigkeit“,
bemerkt der hl. Augustinus. Jesus spricht zur Frau: Niemand hatte mit
ihr
gesprochen, sie wurde unter Stößen und Anschuldigungen
dahergeschleppt. Jesus
spricht sie nicht mit dem Straßenvokabular an, sondern mit
Achtung und erkennt
so ihre Würde an. Er nennt sie „Frau“,
so wie er seine Mutter anzureden pflegte (Joh 2,4; 19,26). Jesus
unterscheidet
zwischen ihr –eine gebrechliche Frau, sicher- und ihrem Fehler, den er
nicht
entschuldigt: Ehebruch ist und bleibt eine Sünde (Mt 5,32), auch
schon ein unanständiger
Wunsch (Mt. 5,28; das IX. Gebot). Jesus verurteilt die Sünde, aber
nicht die
Sünderin; er beginnt nicht, die Vergangenheit zu
überprüfen, sondern verleiht
dem Leben neuen Schwung, eröffnet eine neue Zukunft. Der Kern der
Erzählung ist
nicht die Sünde, sondern das Herz Gottes, das liebt und will, dass
wir leben.
Das Bild von Gott-Liebe, das Jesus uns nahe bringen will, ist dieses:
die Frau
soll erfahren, dass Gott sie liebt so
wie sie ist. Auf diese Weise ist die Frau, die sich nun
respektiert,
geliebt und beschützt fühlt, in der Lage, Jesu Einladung
anzunehmen, nicht mehr zu sündigen“ (V.
11).
Gott rettet durch die Liebe. Nur die Liebe ist imstande zu bekehren und
zu
retten! (*)
Dieses unbequeme
Evangelium hat eine mühevolle Geschichte hinter sich: in einigen
alten Handschriften
finden wir es nicht, in anderen steht es an einer anderen Stelle. Manch
einer
glaubt, die Stelle stamme nicht von Johannes sondern von Lukas, da sein
Stil
und die Botschaft dem Gleichnis vom
barmherzigen Vater und seinen Persönlichkeiten sehr
ähnlich ist (siehe
Lukas 15 im Evangelium des vergangenen Sonntags): die Frau in den
Kleidern des
jüngeren Sohnes; die Schriftgelehrten und Pharisäer als
älterer Sohn; Jesus in
der vollkommenen Rolle des Vaters. Auch ein bekannter, moderner Autor
betont
das: „ein unerträglicher Text, der in manchen Handschriften fehlt.
Das
moralische und auch das religiöse Gewissen der Menschen kann nicht
annehmen,
dass sich Christus weigert, die Frau zu verurteilen… Sie wurde auf
frischer Tat
ertappt; sie hat ein der schwersten Sünden begangen, die das
Gesetz kennt…
Christus verwirrt die Ankläger, indem er sie an die Universalität
des Bösen erinnert: auch sie sind, in
spiritueller Hinsicht, Ehebrecher; auch sie haben auf die eine oder
andere
Weise die Liebe verraten. „Wer ohne Sünde ist…“ Niemand ist ohne
Sünde, und er
schließt die Szene mit den Worten: „Geh und sündige nicht
mehr“. Dieser Satz öffnet eine neue Zukunft“
(Olivier Clément).
Dieses Evangelium ist eine dicht gedrängte Seite
missionarischer Methode für
die Verkündigung, die Bekehrung, die Erziehung im Glauben und zu
den Werten des
Lebens. Die Liebe entwickelt und erneuert die Person, macht sie frei.
Jesus
erzieht zur Liebe, die in Freiheit und Freigebigkeit gelebt wird. Nur
unter
diesen Bedingungen versteht man, warum wir
die Steine von unseren Händen fallen lassen müssen,
die wir auf andere
werfen möchten. Die Tatsache, dass die Ältesten als erste
fortgehen (V. 9),
weist auf ihr Schuldgefühl, ihre Scham hin oder dass sie die
Lektion verstanden
haben? Es kommt klar zum Vorschein, dass jeder, der sich für die Chancengleichheit zwischen Männern und
Frauen einsetzt und dafür kämpft, in Jesus einen
idealen Vorläufer
findet, einen Pionier und Gleichgesinnten.
Worte des Papstes
(*) „Halten
wir inne, um uns in diese Szene zu
vertiefen, wo die Armseligkeit des
Menschen und die göttliche Barmherzigkeit einander
gegenüberstehen: eine
Frau, die einer großen Sünde beschuldigt worden war, und Er,
der, obwohl er
ohne Sünde war, die Sünden der ganzen Welt, unsere
Sünden auf sich geladen hat.
Er, der sich gebückt hatte, um in den Staub zu schreiben, hebt
jetzt den Blick
und begegnet dem Blick der Frau. Er fragt nicht nach Erklärungen…
Jesus lässt
sich mit seinen Gesprächspartnern nicht auf eine theoretische
Diskussion. Es
geht ihm nicht darum, ein akademisches Streitgespräch über
eine Auslegung des
mosaischen Gesetzes zu gewinnen, sondern sein
Ziel ist es, eine Seele zu retten und offenbar zu machen, dass sich das
Heil
nur in der Liebe Gottes findet. Dazu ist er auf die Erde gekommen,
dafür
wird er am Kreuz sterben, und der Vater wird ihn am dritten Tag
auferwecken“.
Benedikt
XVI.
Predigt am 5. Fastensonntag, 25.3.2007.
Auf den Spuren der Missionare
- 21/3:
Internationaler Welttag (UNO) zur Überwindung der
Rassendiskriminierung
-
22/3: Welttag des Wassers, von der UNO 1993
eingeführt.
-
23/3: Hl. Turibio Alfonso de Mogrovejo
(1538-1606), Spanier; noch als Laie wurde er zum Erzbischof von Lima
(Peru)
ernannt; Verteidiger der „Indios“; Patron des lateinamerikanischen
Episkopates.
-
24/3: Jahrestag der Ermordung von Oscar
Arnulfo Romero (+1980), Erzbischof von San Salvador – Gebets- und
Fasttag für
die Märtyrermissionare.
-
25/3: Verkündigung
des Herrn durch den Erzengel Gabriel.
-
26/3: Jahrestag
der Veröffentlichung der Enzyklika “Populorum Progressio” von Paul
VI (1967).
-
27/3: St.
Rupert (zirka 718): aus Irland, Glaubensbote in Bayern, Erzbischof von
Salzburg.