WORT ZUR MISSION

Missionarische Gedanken zur Sonntagsliturgie

EUNTES.NET bietet Laien, Ordensleuten und Priestern wöchentlich einige Gedanken zur Sonntags-liturgie mit missionarischem Inhalt. Sie sind als Anregung gedacht für die missionarische, persönliche und gemeinschaftliche Betrachtung des Wortes Gottes, das den missionarischen Auftrag der Kirche in der Welt erleuchtet und bestärkt.


Mission ist Hoffnung wieder aufleben lassen

 


II Sonntag im Advent

Lesejahr A – 09.12.2007

 

Jesaja 11,1-10

Psalm 71

Römer 15,4-9

Matthäus 3,1-12

 

Besinnung

Drei sind die Hauptpersönlichkeiten, die uns im Advent auf die Begegnung mit Christus vorbereiten: der Prophet Jesaja, Johannes der Täufer und Maria. Jede dieser drei Personen hat einen ganz eigenen missionarischen Bezug zu dem Messias-Erlöser, der da kommt: Jesaja sagt ihn voraus, Johannes zeigt auf ihn als den schon Anwesenden, Maria besitzt ihn und schenkt ihn. Noch andere „Armen Jahwes“ des Ersten Testamentes lebten in der Erwartung des Messias, auch wenn für viele Menschen die Erwartung verschwommen war und vermischt mit menschlichen Erwartungen.

 

Auch heute ist die Hoffnung ein Wert, dessen Inhalte sich gefährdet sehen, denn viele wissen nicht genau, was sie am nötigsten brauchen für das integrale Wachstum ihres Lebens. In einem Theaterstück, das für unsere Zeit bezeichnend ist, klagt der irische Schriftsteller Samuel Beckett, Nobelpreisträger für Literatur (1969), die Irrsinnigkeit der menschlichen Situation an: das ganze Werk Warten auf Godot ist aufgebaut auf das lange Warten auf eine wichtige, aber unbekannte Persönlichkeit, deren Profil und Umrisse verschwommen sind. Wenn schließlich angesagt wird, dass diese Persönlichkeit im Kommen sei, ist der letzte Satz der Spieler etwas überzeugt „Wir wollen gehen!“, aber die Bühnenanweisung schreibt: „Niemand bewegt sich“. Nichts ist geschehen. Das lange Warten war leer. Nur eine Illusion!

 

Nicht so die christliche Hoffnung, die eine Dynamik der Öffnung und der Begegnung auf eine bekannte Person hin ist, von der man sich im Tiefsten geliebt fühlt: es ist der Erlöser von allen, mit einem deutlichen Namen und einem bestimmten Gesicht. Er heißt Jesus Christus. Er ist der Mittelpunkt der missionarischen Verkündigung der Kirche. Der „christlichen Hoffnung“ widmet Papst Benedikt XVI seine zweite Enzyklika Spe Salvi (Auf Hoffnung hin sind wir gerettet – Röm  8,24). Wenn die Liebe das Herz des christlichen Glaubens ist – denn Gott ist Liebe! -- , ist die Hoffnung seine Dynamik, die ihn in der Zeit und im Raum lebendig hält; die Seele, die die missionarische Verkündigung des Evangeliums auf allen Breiten und bei allen Völkern trägt. Dies zeigt der Papst auch auf anhand der bezeichnenden Geschichte der Heiligen Josefine Bakhhita (1869-1947), die, Sklavin im Dafur, „entführt, blutig geschlagen und fünf Mal auf den Märkten des Sudan verkauft“, völlig frei und geheilt wurde: in ihrem Körper und in ihrer Würde als Person, aber später auch als Getaufte und als Ordensfrau. Sie fühlte sich „endgültig geliebt“ und erwartet vom Herrn, den sie ihren neuen und einzigen höchsten Paron bezeichnete. Aus dieser Erfahrung wuchs in ihr die missionarische Glut: sie war davon überzeugt, dass „sie die Hoffnung, die für sie geboren worden war und sie ‚losgekauft hatte’, nicht für sich allein behalten konnte; diese Hoffnung musste viele, musste alle erreichen“ (Spe Salvi, N. 3). (Chronologisch kam die Sudanesin Bakhita aus dem Gebiet und der Zeit, in der der Heilige Daniel Comboni Bischof war, auch wenn sich die beiden nie begegnet sind) (*)

 

Acht Jahrhunderte vor der Geburt Christi, war der Prophet Jesaja in Zeiten der Gewalt und der Verwüstung fähig, die Hoffnung in eine Zukunft des Lebens, der Versöhnung und des Wohlstandes seines Volkes zu besingen. In vergleichbaren Situationen des Leides konnte auch ein anderer junger Prophet, Jeremias, den Mandelbaum in Blüten sehen (Jer 1,11). Wo alle nur Negatives sahen, sahen die Propheten weiter, in die Ferne und erblickten eine andere Geschichte und Hoffnung: die Geschichte Gottes, der alle zum Heil führt. Jesaja sah einen Zweig sprossen, sofort erfüllt von dem vielfältigen Geist des Herrn (V. 1-13). Und er beschreibt den verblüffenden zoologischen Garten des friedlichen Zusammenlebens der Lebewesen unter einander und mit der Schöpfung (V. 5-9). Nur ein Volk, das so lebt, in der Gerechtigkeit und Harmonie der Beziehungen, hat den andern etwas Positives mitzuteilen, kann ein „Zeichen für die Nationen“ werden (V. 10). Nur so kann es etwas Wahres und Schönes im Konzert der Nationen mitteilen. Und so wird es zu einer missionarischen Gemeinschaft! Unter die Kennzeichen eines solchen nach innen und außen befriedeten Volkes schließt der Hl. Paulus (2. Lesung) die Fähigkeit ein, „sich einander anzunehmen, wie auch Christus uns angenommen hat“ (V. 7), durch seine Barmherzigkeit (V. 9).

 

Mit Worten von Feuer bereitet Johannes der Täufer (Evangelium), herber und innerlich freier Prophet, den Weg des Herrn vor, der nach ihm kommt, tauft „mit Wasser zum Zeichen der Umkehr“, und verkündet die Anwesenheit eines Stärkeren als er selber, der „im Heiligen Geist und im Feuer taufen wird“ (V. 11). Darum ruft Johannes: „Kehrt um!“ (V. 2) Es gibt eine völlig bekehrte Schöpfung, das heißt, zu Gott umgekehrte, vom Heiligen Geist erfüllte Schöpfung: es ist beispielhaft Maria, die ganz reine, ohne jeden Makel; es ist die Unbefleckte Empfangene (8. Dezember). Sie hat ihren Herrn aufgenommen, und hat ihm einen menschlichen Körper gegeben; jetzt bietet sie Ihn allen an, auch denen, die Ihn noch nicht kennen. Der Advent ist eine bevorzugte Zeit, um die Mission zu leben: im Advent und an Weihnachten kommt der Herr zu uns; Er wird seine Verabredung nicht verfehlen. Aber Er will auch bei den andern ankommen durch uns.

 

Wort des Papstes

(*) «Die Erlösung», das Heil ist nach christlichem Glauben nicht einfach da. Erlösung ist uns in der Weise gegeben, dass uns Hoffnung geschenkt wurde, eine verlässliche Hoffnung, von der her wir unsere Gegenwart bewältigen können: Gegenwart, auch mühsame Gegenwart, kann gelebt und angenommen werden, wenn sie auf ein Ziel zurührt und wenn wir dieses Ziels gewiß sein können; wenn dies Ziel so groß ist, dass es die Anstrengung des Weges rechtfertigt… Auch hier erscheint es als das Unterscheidende der Christen, dass sie Zukunft haben: Nicht als ob sie im einzelnen wüssten, was ihnen bevorsteht; wohl aber wissen sie im ganzen, dass ihr Leben nicht ins Leere läuft. Erst wenn Zukunft als positive Realität gewiß ist, wird auch die Gegenwart lebbar».

Benedikt XVI

Enzyklika Spe Salvi, 30. November 2007, N. 1-2

 

Auf den Spuren der Missionare

- 9/12:  Hl. Juan  Diego Cuauhtlatoatzin (+1548), Eingeborener aus Mexiko, dem auf dem Tepeyac Hügel die Muttergottes, bekannt als die Muttergottes von Guadalupe, erschienen ist.

- 10/12:      Fest Unserer Lieben Frau von Guadalupe, die auf dem Tepeyac Hügel in Mexiko 1531 dem Eingeborenen Hl. Juan Diego erschien, mit einer Botschaft der Hoffnung in den Anfängen der Evangelisierung Amerikas: „Fürchte dich nicht. Bin ich nicht hier als deine Mutter?

- 12/12:      Hl. Johanna Franziska von Chantal (+13. 12. 1641), mit dem Hl. Franz von Sales Gründerin des Ordens von der Heimsuchung Mariens (Salesianerinnen), besonders verdient um die Erziehung der Mädchen

- 13/12:      Hl. Odilia, Äbtissin, gründete die Klöster Hohenburg (Odilienberg) und Niedermünster in den Vogesen, besonders in Südwestdeutschland verehrt.

- 14/12:      Hl. Johannes vom Kreuz (1542-1591), spanischer Karmeliterpriester, Mystiker und Kirchenlehrer, mit der Hl. Teresa von Avila Reformator des Karmeliterordens.

- 14/12: Hl. Nimatullah Youssef Kassab Al-Hardini (1808-1858), libanesischer Maronit, Priester, Mensch der Askese, dem Studium und der pastoralen Tätigkeit ergeben.

 

*******************************************************************

Verantwortlich: P. Romeo Ballan – Missionari Comboniani (Verona)

Website: www.euntes.net  “Parola per la Missione”

Deutsch: P. Wilhelm K.Müller SVD, Rom

*******************************************************************