Eine wirklich
eigenartige Weise, sich zum König
zu proklamieren! Christus, der Leidensmann, im Dialog mit dem
römischen
Prokurator (Evangelium), hat die Königsinsignien:
auf dem Haupt eine Krone, in der Hand einen Stab, einen Purpurmantel, unterwürfige Grußworte der Soldaten …
Alle Zeichen
eines Königs, der gescheitert ist! Die religiösen
Führer, die Leute auf
dem Platz, die römischen Soldaten sind nunmehr davon
überzeugt: sie glauben,
gesiegt zu haben, ihn vernichtet zu haben. Pilatus ist verwirrt vor der
Gelassenheit jenes Mannes, der, wenn auch unter diesen Umständen,
sich
weiterhin zum König erklärt, wenn auch nicht von einem Reich
dieser Welt.
Pilatus ist nicht in der Lage, diese Sprache zu verstehen, und noch
weniger die
Rede von der Wahrheit (V. 36-37). Seine untersuchenden Fragen haben
eine
politische Bedeutung; es genügt ihm festzustellen, das dieser Typ,
so übel zugerichtet,
keine
Gefahr für das römische Reich darstellt. Auch heute
ist das an der Wand
hängende Zeichen des gekreuzigten Gottmenschen weit davon
entfernt, eine
Drohung darzustellen. Es ist vielmehr eine objektive Wohltat! Jeder,
der auch
nur ein wenig informiert ist, der ein aufrichtiges und von abwegigen
Ideologien
freies Herz hat, versteht es gelassen.
Der gleiche Pilatus, Vertreter des mächtigsten
Reiches der Welt, wird das Königtum Jesu anerkennen mit jener
Inschrift, die am
Kreuz angebracht wurde: „Jesus, der Nazarener, der König der
Juden“ (Joh
19,19). In Jesus ist der wahre „Menschensohn“ Fleisch geworden, jene
geheimnisvolle Person, -- Vorspiel des neuen Volkes! – vorausgesagt vom
Propheten
(1. Lesung), der von Gott Macht und
Herrschaft empfängt vor „allen
Völkern, Nationen und Sprachen“:
eine Herrschaft, die „nicht vernichtet werden wird“ (V. 14). Das Volk
Daniels
erfährt in diesem Augenblick die Unterdrückung, verzichtet
aber nicht auf die
großartigen Träume für die Zukunft. Das Volk des neuen
Reiches wird Christus
als Sammelpunkt haben. Sie haben Ihn durchbohrt, Er aber ist
das Alpha
und das Omega (2. Lesung).
Jesus verzichtet nicht auf Seinen Königstitel, entleert
ihn aber von allen eitlen Dingen der Herrschaften dieser Welt und
reichert ihn
an mit neuen, evangelischen Inhalten:
wer der Erste ist, soll der
Diener aller werden; er verbündet sich
nicht mit den Reichen, sondern zieht es vor, auf der Seite der Letzten
zu
stehen; er erteilt keine Befehle, sondern gehorcht; er tötet
niemanden, sonder
stirbt selber für alle; es ist nicht wichtig, bedient zu werden,
sondern sich zu Dienern zu machen. (*)
Pilatus zeigt allen den Menschen, den gescheiterten
König, mit Dornen gekrönt… Jesus hat schon wiederholt seine
Identität, sein
Evangelium erklärt. Wer verstehen wollte, hat Ihn verstanden. Nun
befindet sich
Jesus da, vor aller Augen, wartet schweigend. Jeder
muß seine eigene
persönliche Antwort geben, die Wahl seines Lebens
treffen: sich für das
leichte Leben der Macht und des Reichtums entscheiden, oder den
Sieg davontragen, indem er sich zum
demütigen und armen Jünger eines gescheiterten Königs macht,
der
gekreuzigt worden ist und auferstanden ist. Aus Liebe! … Den Schritten
eines gescheiterten
Königs, zu folgen mag als ein Konkursunternehmen erscheinen, aber das
Reich Gottes scheitert nicht! Der Papst hat es den
Bischöfen der
Schweiz ins Gedächtnis gerufen (Homilie am 7. 11. 2006), in dem er
in
ausladender und kreativen Weise die Parabel von den zum großen
Gastmahl
Eingeladenen kommentiert (vgl. Luk 14,15-24). Trotz
der dauernden Ablehnungen von Seiten der
menschlichen Freiheit, scheitert
Gott nicht. Er findet immer neue Wege, um seinen Heilsplan
für die
ganze Menschenfamilie zu verwirklichen.
An diesem Heilswerk will Gott so viele Freunde
teilnehmen lassen und sie an der Mission in
der ganzen Welt
beteiligen. Viel sind die Weisen und Zeiten der Beteiligung.
Neben den
Initiativen, die das Werk der Glaubensverbreitung sichtbar werden
lassen
(Kongresse, Synoden, Dokumente, Veröffentlichungen…), geht es um
die kapillare
und verborgene Arbeit der Missionare und Missionarinnen; die
ständige
Anwesenheit von Priestern und Laien als Erzieher und Katecheten; die
hochherzigen Gesten von jungen Männern und Frauen; die
Unterstützung der
Gebete, die von den Kranken aufgeopfert werden; und so viele andere
Initiativen, die, wenn auch begrenzt und verborgen, dazu dienen, den
Missionseifer für das Reich Gottes zu erneuern und zu
unterstützen.
Wort des Papstes
(*)
„Während
seiner
Passion hingegen erhob er vor Pilatus den Anspruch auf ein
einzigartiges
Königtum. Auf dessen ausdrückliche
Frage: »Also bist du
doch ein König?«, antwortete Jesus: »Du sagst es, ich
bin ein König« (Joh
18,37). Kurz zuvor aber hatte
er erklärt: »Mein Königtum ist nicht von dieser
Welt« (Joh 18,36). Das Königtum
Christi ist nämlich Offenbarung und
Verwirklichung des Königtums Gottvaters, der über allem mit
Liebe und
Gerechtigkeit waltet… Das Reich Christi ist nicht von dieser Welt, es bringt aber alles Gute zur Erfüllung, das
– Gott sei Dank – im Menschen und in der Geschichte vorhanden ist.
Wenn wir
dem Evangelium entsprechend die Liebe zu unserem Nächsten in die
Tat umsetzen,
so machen wir für die Herrschaft Gottes Platz, und sein Reich
verwirklicht sich
mitten unter uns. Wenn hingegen jeder nur
an seine eigenen Interessen denkt, dann kann die Welt nur zugrunde
gehen.“
Benedikt
XVI
Angelus
am
Christkönigsfest, 23. XI. 2008
Auf den Spuren der Missionare
- 21/11:
Hochfest Christi, des Herrn und
Königs des Alls.
- 22/11: Hl.
Cäcilia, römische Martyrin. –
Welttag der Musik.
- 23/11: Hl.
Kolumban, Abt (+615), geboren
in Irland, Wandermissionar in Frankreich, der Schweiz und Italien,
Gründer
zahlreicher Klöster.
- 23/11: Sel.
Michael Augustinus Pro
(1891-1927), mexikanischer Jesuit, Märtyrer während der
Kirchenverfolgung. Mit
ihm gedenken wir zahlreicher anderer Märtyrer der gleichen Periode.
- 24/11: Hl.
Andreas Dung Lac (+1839),
Priester, und verschiedene andere Märtyrergefährten in
Vietnam. Johannes Paul
II hat 1988 117 von ihnen heilig gesprochen: Bischöfe, Priester
und Laien, die
an verschieden Orten und in
verschiedenen Weisen und Zeiten
getötet wurden.
- 24/11: Selige
Peter Kibe Kasui (1587-1639),
japanischer Jesuit, und 187 Märtyrergefährten, in der Zeit
von 1603 bis 1639
getötet wurden; von ihnen waren vier Priester und alle anderen
Laien, unter
ihnen auch Frauen und Kinder. Diese 3. Gruppe von japanischen
Märtyrern (nach denen von 1597 und
1622) wurden am 24. November
2008 in Nagasaki selig gesprochen.
- 26/11: Hl.
Leonhard von Porto Maurizio
(1676-1751), Franziskanerpriester, Wanderprediger, der Volksmission
gewidmet.
Ist der Inspirator des Kreuzweges.
- 26/11: Sel.
Giacomo Alberione
(1884-1971), Gründer der Pauliner Familie (mit über zehn
Institutionen), zur
Verbreitung des Evangeliums mit Hilfe der sozialen Kommunikationsmittel
und zur
Förderung der Berufe.
- 26/11:
Gedächtnis von Kardinal Lavigerie
(1825-1892), französischer Bischof in Algerien, Gründer
Missionare von Afrika
(Weiße Väter).