WORT ZUR MISSION

Missionarische Gedanken zur Sonntagsliturgie

EUNTES.NET bietet Laien, Ordensleuten und Priestern wöchentlich einige Gedanken zur Sonntags-liturgie mit missionarischem Inhalt. Sie sind als Anregung gedacht für die missionarische, persönliche und gemeinschaftliche Betrachtung des Wortes Gottes, das den missionarischen Auftrag der Kirche in der Welt erleuchtet und bestärkt.


Der Blindgeborene: er sieht, glaubt, verkündet

 


IV Fastensonntag

Lesejahr „A“ – Sonntag, 02.03.2008

 

1 Sam 16,1b.6-5.10-13b

Ps 22 (23)

Eph 5,8-14

Joh 9,1-41

 

Besinnung

Der Weg auf Ostern hin ist ausgeschildert mit großen taufkatechetischen Themen: der Versucher, den es zu besiegen gilt; das Angesicht Christi, das betrachtet werden muß, die Symbole des Wassers, des Lichtes, des Lebens. Im Mittelpunkt des Evangelium am heutigen Sonntags steht die Figur Jesus – Licht: Er ist derjenige, der sieht, Er geht dem Blinden entgegen, streicht in seine Augen den Teig aus Erde, Er sendet ihn, damit er sich im Teich Schiloach (Schiloach heißt übersetzt Der Gesandte) wäscht. Der Blinde geht, wäscht sich und kehrt zurück und sieht (V. 1.6-7). Das Zeichen ist deutlich, aber nur für den, der es zu sehen weiß. Gerade jenes so offensichtliche Zeichen Jesu wird zu einem Zeichen des Widerspruchs: von dem gleichen Zeichen gehen zwei entgegen gesetzte Reaktionen (des Blinden und der Pharisäer) aus.

 

Der Blinde schreitet gradweise auf die Entdeckung des Antlitzes, der Identität Jesu voran: vom einfachen Menschen, zum Propheten, zum Gottesmann, zum Herrn …, bis er sich im Glauben niederwirft: „Ich glaube, Herr!(V. 38). Nunmehr ist der Blinde bekehrt: voll erleuchtet, in seinem Körper und in seinem Geist. Während der Blinde in seiner Entdeckung Jesu voranschreitet, verschließen sich die Pharisäer fortschreitend vor dem Licht, sie glauben nicht an das Zeugnis des geheilten Blinden, sie gebieten ihm zu schweigen und werfen ihn hinaus (V. 34). Die Verhärtung des Herzens führt zur inneren Blindheit. Den Glauben kann man jedoch auch verlieren! Nur wer zuläßt, dass die Wahrheit sein Leben ändert, hat keine Furcht vor dem Licht, vor der Liebe, vor dem Dienst… Diesbezüglich gilt der Wunsch des Hl. Augustinus, der auch im lateinischen Text schön klingt: „Servum te faciat caritas, quia liberum te fecit veritas“ – die Liebe möge dich zum Sklaven machen, nachdem die Wahrheit dich frei gemacht hat.

 

Mehr Licht!: waren die letzten Worte von Johann W. Göthe. Mit dem Wort und dem Zeichen trägt Jesus das neue Licht, das auch die Wirklichkeit der Sünde, die in der Welt ist, erleuchtet. Die Sünde ist jenes ausgedehnte dunkle Gebiet, in dem die Menschen leben, die noch nicht vom Evangelium erleuchtet sind. In dieser dunklen Zone liegt auch das Unverständnis für den Sinn der Krankheit, des Schmerzes, des Unglücks, der Übel, die oft mit den persönlichen Sünden in Verbindung gebracht werden. Beispielhaft für diesen Sachverhalt ist die Geschichte von Hiob. Selbst die Apostel sind ein  Beispiel für diese Geisteshaltung: wie sie den Blindgeborenen sehen, fragen sie den Meister: „Wer hat gesündigt, er oder seine Eltern?(V. 2). Das ist die typische vor-christliche Annahme im Hinblick auf das Leiden: den Schmerz oder die Krankheit zu identifizieren mit der Sünde, mit dem bösen Blick oder dem bösen Zauber eines andern… Es ist eine sehr weit verbreitete Mentalität, auch in christlichen Kreisen, typisch für Leute, die noch nicht gut evangelisiert sind. Ich denke an meine langjährige Missionsarbeit in der Republik Kongo, wo die Probleme und die Ängste bezüglich des ndoki (Lingala Sprache, böser Blick und Ähnliches) zur Tagesordnung gehörten: viele Christen, selbst Katecheten, waren innerlich noch nicht davon befreit. Auch in Lateinamerika und in Europa habe ich ähnliche Situationen gesehen. Man kann mit den Händen die Tatsache berühren, dass das Heidentum (mit seinen Verzahnungen) synonym ist mit Finsternis, Furcht, Rache, dunklen Machenschaften… die auch unter den Christen aller Breitengraden reichlich umgehen. Das Menschenherz ist nie ganz bekehrt. Die missionarische Tätigkeit der Kirche begnügt sich nicht mit einer oberflächlichen Evangelisierung, sondern muß das Herz der Menschen und die Werte der Kulturen ins Auge fassen, wie Paul VI trefflich lehrt. (*)

 

Aus dieser heidnischen Mentalität kann man nur herauskommen, wenn man einen Weg der dauernden Bekehrung geht, in dem man im Innern und bis auf den Grund Christus annimmt, der gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt“ (V. 5), „die Wahrheit wird euch frei machen“ (Joh 8,32). Klar ist die Aufforderung des Paulus (zweite Lesung), sich wie Söhne des Lichts zu verhalten (V. 8; vgl. Mt 5,14), nicht teilzunehmen an den fruchtlosen und beschämenden Werken der Finsternis (V. 11.12), sondern auf Christus zu schauen: „Wach auf … und Christus wird dein Licht sein“ (V. 14). Christus ist das Licht, Er ist der Gesandte (V. 7) des Vaters, das Reinigungsbad, in das man mit der Taufe eingetaucht werden muß.

 

Das Licht Christi hilft, den Sinn der Krankheit und des Schmerzes zu verstehen, wie man aus dem schweigenden und geduldigen Zeugnis so vieler Personen, die krank sind, aber innerlich ruhig bleiben, lernt. Der Glaube ist ein neues Licht, das erlaubt, die Botschaft des Lebens, die im Schmerz anwesend ist, zu begreifen, die Gelegenheit zur Reinigung und zum Heil für sich selber und für die anderen. Der Glaube führt dazu, dass man sich auf Gott verlässt, den Hirten, der uns auch auf den sicheren Wegen führt (Antwortpsalm). Er hat Wege und Kriterien, die von den unsern verschieden sind (erste Lesung): „der Herr sieht das Herz“ (V. 7) der Menschen, wie sich aus der Wahl Davids ergibt. Er war der Jüngste, ein Hirt (vgl. Lk 2,8), aber Gott macht in zum König. Überraschend sind die Kriterien Gottes: er heilt den Blinden, einen Bettler (V. 8), einen Ausgestoßenen (V. 34), ihm offenbart er sich selber, macht aus ihm einen Glaubenden, einen Zeugen, einen überzeugten Verkünder (V. 30-33). Wie mit der Frau von Samaria (vgl. den letzten Sonntag). Gott überrascht uns: er zieht es vor, die Letzten zu erwählen, um sein Reich in der Welt wachsen zu machen.

 

Wort des Papstes

(*) „Evangelisieren bedeutet für die Kirche, die Frohe Botschaft in alle Schichten der Menschheit hineinzutragen und mit ihrem Einfluß von innern heraus die Menschheit selber neu zu machen…Mit der Kraft des Evangeliums die Entscheidungskriterien, die bestimmenden Werte, die Interessenspunkte, die Gedankenlinien, die inspirierenden Quellen und die Lebensmodelle der Menschheit, die mit dem Wort Gottes und mit dem Heilsplan im Gegensatz stehen, einzuholen und sozusagen umzustoßen... Die Kultur und die Kulturen des Menschen müssen evangelisiert werden – nicht in einer dekorativen Weise, wie ein oberflächlicher Anstrich, sondern in vitaler Weise, in der Tiefe und bis zu den Wurzeln.“

 

Paul VI

Apostolische Ermahnung Evangelii Nuntiandi (1975), N. 18.19.20

 

 

Auf den Spuren der Missionare

- 3/3:   Selige Liberato Weiss, Samuel Morzarati und Michele Pio Fasoli von Zerbo, Franziskanerpriester, in Gondar (Äthiopien) als Märtyrer zu Tod gesteinigt (+1716).

- 3/3:   Hl. Catherine Drexel (1955, in Philadelphia, USA, gestorben),Gründerin; verwendete ihr reiches Erbe für die Eingeborenen und Afroamerikaner, in dem sie für sie um sechzig Schulen und Missionen gründete und unterhielt.

- 6/3:   Hl. Ollegario von Tarragona (Spanien, 1137). Bischof von Barcelona und Tarragona, als dieser alte Bischofssitz von der Herrschaft der Mauren befreit wurde.

- 7/3:   Heilige Perpetua und Felizitas, Märtyrerinnen in Karthago (+203), unter dem Kaiser Septimus Sevrus.

- 8/3:   Hl. Johannes von Gott (1495-1550), portugiesischer Ordenmann, Gründer des Ordens der Krankenbrüder (‚Fatebenefratelli’, in Ialien), Schutzpatron der Krankenhäuser, Patron der Kranken und ihrer Pfleger.

- 8/3:   Welttag der Frauen (1910 eingesetzt. 1975 als UNO Tag bestimmt).

 

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Verantwortlich: P. Romeo Ballan – Missionari Comboniani (Verona)

Website: www.euntes.net  “Parola per la Missione”

Deutsch: P. Wilhelm K.Müller SVD, Rom

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