WORT ZUR MISSION

Missionarische Gedanken zur Sonntagsliturgie

CIAM bietet Laien, Ordensleuten und Priestern wöchentlich einige Gedanken zur Sonntags-liturgie mit missionarischem Inhalt. Sie sind als Anregung gedacht für die missionarische, persönliche und gemeinschaftliche Betrachtung des Wortes Gottes, das den missionarischen Auftrag der Kirche in der Welt erleuchtet und bestärkt.

 


Die Liebe: von der Dreifaltigkeit zur Mission



Dreifaltigkeitssonntag

Lesejahr B - 11.06.1006

 


Deuteronomium 4,32-34.39-40

Antwortpsalm  33

Römer 8,14-1

Matthäus 28,16-20

 

Überlegungen

Die Religionsbücher fassen das Geheimnis Gottes mit diesen Worten zusammen: „es gibt nur einen Gott in drei Personen“. Damit ist bereits alles gesagt, aber es muss erst erfasst, liebend angenommen und betrachtend angebetet werden. Dieses Thema ist von zentraler Bedeutung auch für die Missionsarbeit. Zu leichtfertig wird auch gesagt, dass alle Völker – auch die Nicht-Christen – wissen, dass es einen Gott gibt, dass also auch die „Heiden“ an Gott glauben. Diese wenn auch mit Unterschieden und Vorbehalten angenommene Wahrheit ist die Grundlage, die  den Dialog zwischen den Religionen, besonders zwischen den Christen und den Anhängern anderer Religionen, ermöglicht. Auf der Grundlage des einen und allen gemeinsamen Gottes kann eine Verständigung unter den Völkern erreicht werden im Hinblick auf gemeinsame Friedensinitiativen, die Wahrung der Menschenrechte und die Realisierung von Entwicklungsprojekten. Das ist aber nur ein Teil der Botschaft der Kirche, die der Welt ein Evangelium anbietet, das noch viel wichtigere Inhalte und Ziele hat.

 

Für einen Christen genügt es nicht, auf den einen Gott zu bauen, noch weniger für den Missionar, der die einzigartige Offenbarung Jesu Christi kennt, die das ganze Geheimnis Gottes umfasst, der einer und dreifaltig ist. Der christliche Gott ist einer, aber nicht allein. Das Evangelium, das der Missionar verkündet, stärkt und klärt einerseits das Wissen um den Monotheismus, andererseits öffnet es den Blick für das unermessliche und außerordentliche Geheimnis Gottes, der Gemeinschaft in drei Personen ist.

 

„Um in das Geheimnis Gottes vorzudringen, bedienen sich die Muslime des Koran, aus dem sie die 99 Namen des Allah herauslesen; der hundertste bleibt unaussprechbar, denn der Mensch kann Gott nicht ganz verstehen. Die Juden entdecken Gott in den Ereignissen ihrer Heilsgeschichte, die sie durch Jahrhunderte betrachtet, aufgeschrieben und immer wieder gelesen haben, bevor sie in den heiligen Büchern festgelegt wurde. Für die Christen ist das Buch, das in das Geheimnis Gottes einführt, Jesus Christus selbst. Er ist „das Buch, das durch den Lanzenstich geöffnet wurde“, er ist der Sohn Gottes, der vom Kreuz herab offenbart, dass Gott Vater und Geschenk der Liebe ist, Leben, Geist“ (F. Armellini).

 

Ein Unbekannter hat diesen nüchternen aber wesentlichen Dialog zwischen einem Muslimen und einem Christen überliefert.

- Ein Muslim sagte: „Gott ist für uns einer; wie könnte er einen Sohn haben?“

- Der Christ antwortete: „Für uns ist Gott Liebe; wie könnte er allein sein?“

Es handelt sich um einen stilisierten „interreligiösen Dialog“, der eine grundlegende Wahrheit des christlichen Gottes ausdrückt, der auch den jüdischen, muslimischen Monotheismus und andere Religionen bereichern kann. In der Tat, der von Jesus offenbarte Gott ist in erster Linie ein Gott der Liebe (siehe Joh 3,16; 1Joh 4,8). Er ist einer, aber in Beziehung, in voller Einheit von Personen. Ein Gott, der sein Leben für die Menschheitsfamilie hingibt.

 

Der Gott der nicht-christlichen Religionen ist eher ein ferner Gott, der in seiner Welt lebt, mit religiösen Riten und Opfern aller Art günstig gestimmt werden muss. Der Gott der Bibel hingegen offenbart sich uns vor allem als ein barmherziger und gütiger Gott, „reich an Erbarmen“ (Eph 2,4); als ein Freund und Beschützer, der die Beziehung liebt; ein naher Gott (1. Lesung), der sich für sein Volk mit Zeichen und Wundern eingesetzt hat (Vers 34). Er ist kein eifersüchtiger oder mit dem Menschen konkurrierender Gott, sondern dem danach verlangt, dass „du und deine Kinder glücklich seid“ (Vers 40). Ja mehr noch: er ist ein Gott, der sich mit uns vereint, uns ruft und uns zu seinen Kindern und Erben macht, indem er uns seinen Geist schenkt (2. Lesung, Verse 16-17).

 

Das ist das wahre Gesicht Gottes.  Alle Völker haben das Recht und das Bedürfnis, dass ihnen die Missionare dieses Gesicht zeigen, gemäß dem Auftrag Jesu: geht, macht alle Menschen zu meinen Jüngern, tauft und unterrichtet sie..... Deswegen sagt das Konzil: „Die pilgernde Kirche ist ihrem Wesen nach ‚missionarisch’, da sie selbst ihren Ursprung aus der Sendung des Sohnes und der Sendung des Heiligen Geistes herleitet, gemäß dem Plan Gottes des Vaters“ (Ad Gentes 2). Das Geschenk des wahren Gottes, des einen und dreifaltigen, ist für alle Völker bestimmt; es ist ein Schatz, der alle Kulturen bereichern kann, den mit allen zu teilen die Christen das Recht und die Pflicht haben. Um diese Mission zu erfüllen, ist Jesus der ‚Gott mit uns’ geworden: „siehe, ich bin bei euch alle Tage“ (Vers 20). Mit dieser Gewissheit beten wir heute mit der Kirche, dass „wir Verkünder des Heiles werden, das allen Menschen angeboten wird“ (Tagesgebet).

 

 

Wort des Papstes

(*) „Wird der Glaube mit Einfachheit und Entschlossenheit in die Mitte des christlichen Lebens gestellt, belebt die Liebe, die weder Stillstand noch Grenzen kennt, das Leben des Menschen... Die Liebe ergießt sich aus dem Herzen Gottes durch das Herz Jesu im Heiligen Geist als alles erneuernde Liebe auf die Welt“.

Benedikt XVI.

Ansprache an die Kongregation für die Glaubenslehre, 10.02.06

 

 

Auf den Spuren der Missionare

- 11.06. Barnabas, Apostel, einer der ersten Christen von Jerusalem, Missionar in Antiochien, Freund und Mitarbeiter des Paulus, Verkünder des Evangeliums in Zypern.

- 11.06. Sel. Ignatius Maloyan (1869-1915), Bischof von Mardine in Armenien und Märtyrer, von den Türken gepeinigt und ermordet am Beginn des armenischen Holocaust.

- 12.06. Sel. Mercedes Maria von Jesus Molina (1828-1883), ekuadorianische Ordensfrau, Missionarin unter den „Jibaros“ Indianern, Gründerin, starb in Riobamba (Ekuador).

- 12.06. Welttag gegen die Kinderarbeit, von der UNO 2002 eingeführt.

- 13.06. Antonius von Padua (1195-1231), Franziskaner, Kirchenlehrer, berühmter Prediger in Frankreich und Italien.

- 15.06. Sel. Alois Maria Palazzolo (1827-1886), Volksmissionar, Gründer der „Armen Schwestern“ für die Erziehung, Betreuung und die Missionsarbeit.

- 16.06. Sel. Maria Teresa Scherer (1825-1888), Ordensfrau aus der Schweiz, Mitgründerin der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Kreuz, die sich sehr schnell ausbreiteten.


 

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Verantwortlich: P. Romeo Ballan, mccj – emeritierter Direktor des CIAM, Rom

Sito Web:   www.ciam.orq    “Wort zur Mission   –   Parola per la Missione”

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